14. Juni 2020 hghoyer

Design Sprints: Grundlegende Informationen

Was ist ein Design Sprint?
Das besondere bei einem Design Sprint ist der interdisziplinäre Mix aus den besten Methoden wie der gerade erwähnten agilen Arbeitsweise und dem Design Thinking. Vor allem handelt es sich bei einem Design Sprint um eine nutzerorientierte Innovations- und Entwicklungsmethode. Es steht also der Mensch und nicht die Funktionalität im Vordergrund. Oder anders ausgedrückt: Die Funktionalität orientiert sich an den Zielen und Bedürfnissen der relevanten Nutzer.Design Sprints sind somit zu 100% auf den Nutzer und auf dessen Ziele und Bedürfnisse ausgerichtet. Also löst jede Lösung, die in einem Design Sprint entsteht in oberster Priorität ein Problem eines möglichen Kunden bzw. Nutzers.

Bei einem Sprint geht es darum, das wichtigste Problem frontal anzugehen!!! Es ist ausgeschlossen, das das Problem zu groß oder zu kompliziert ist!

Je größer also die zu lösende Herausforderung, desto besser ist dies für den Design Sprint! Bei dem Sprint gilt es dann den wichtigsten Angriffspunkt des Problems zu bestimmen. Und jedes noch so große Problem hat einen ersten wichtigsten Angriffspunkt (Salamitaktik). Und je dringender eine Lösung benötigt wird, desto zielsicherer zwingt uns der Sprint, das wir uns auf die entscheidendsten Fragen konzentrieren.

Du hast eine Idee? Dann sprinte sie! Der Sprint ist quasi eine Simulation Deiner Idee oder vielleicht Deiner aussichtsreichen Lösung für Dein oder ein Problem. Wenn eine Idee in physischer Realität floppt, dann war man höchst wahrscheinlich zu optimistisch und die Realität hat einen dann belehrt. Mit dem Sprint darfst Du genau das in sicherer Umgebung testen. Jedoch in einer absolut realistischen Umgebung!!! Und Du bekommst fakten, auf dessen Basis dann die wirklichen Entscheidungen treffsicher getroffen werden können.

Der Begriff Sprint stammt aus der agilen Welt (agile Arbeitsweise beispielsweise nach Scrum) wo in sogenannten Sprint Zyklen gearbeitet und entwickelt wird. Die Methode Design Sprint ist also  ein Methoden- und Prozessmix aus:
– Design Thinking (Konsequente Ausrichtung der innovativen Ergebnisse auf den Nutzen des Kunden)
– Agile Methoden wie Scrum oder Kanban: Agile Prozesse ermöglichen eine schnelle Reaktion auf gelernte Erkenntnisse durch zyklisches und iteratives Vorgehen. Agilität stellt eine möglichst gute Balance zwischen Struktur und Flexibilität sicher. Scrum ist somit kein planloses Vorgehen. Es wird eine Vision angestrebt, die jedoch noch nicht komplett durchgeplant wird. Es gibt kleine Sprints in die richtige Richtung und vor jedem neuen Sprint kann man auf basis des letzen feine Justierungen vornehmen. Dabei wird sowohl der Nutzer als auch der Entscheider einbezogen. Nach einem durchgeführten Sprint folgt ein nächster oder aber es kommt zu einem ersten Produkt, dem sogenannten MVP (Minimal Viable Product).

Ein Sprint ist also ein kurzer und schneller Iterationszyklus. Nach jedem Sprint folgt eine Bewertung und der Kurs kann justiert werden. Im Gegensatz dazu wird bei der herkömmlichen Entwicklungsweise nach dem Wasserfall Prinzip gearbeitet. Das Ergebnis wird hierbei möglichst genau beschrieben, spezifiziert und es wird bspw. über ein Zeitraum von 2 Jahren dann versucht, alles relevante in Form von Aufgaben, Zeit und Budget festzulegen. Der klassische Wasserfall Entwicklungsprozess bringt selten wirkliche Innovationen hervor und scheitert an dem Versuch, komplexe dynamische Entwicklungen detailliert bereits vor Projektbeginn komplett durchzuplanen. Das Problem ist meist die zu starre Planung und mangelndes Zwischenfeedback aus Nutzersicht. Solche Planungsversuche, die eigentlich Planungssicherheit vor allem in Zeit- und Budgetfragen liefern sollen, scheitern jedoch sehr häufig. Anstelle von Planungssicherheit werden die geplanten Budgets nicht selten weit überschritten und auch die Zeitplanung gerät häufig in chaotische Verlängerungen. Denkt man beispielsweise an komplexe Projekte wie den neuen Berliner Flughafen ist sehr gut nachvollziehbar, was ich meine.

Ziel eines DESIGN SPRINTS
Die Design Sprint Methode bietet ein Framework, mit dem wir bestmöglich die Potentiale unserer größten Herausforderungen angehen und dabei gleichzeitig Risiken absolut minimieren können. Wir entwickeln dabei Ideen die wir direkt validieren. Ziel eines Design Sprints ist in erster Linie nicht die Schaffung eines Auslieferungsfähigen Produktes, sondern es geht vielmehr darum Hypothesen auszutesten. Dazu ist das Ergebnis des Sprints ein Prototyp, der realen Nutzern vorgelegt werden kann um deren Feedback einzuholen. Ein Sprint bietet genau den abgesteckten sicheren Rahmen um quer zu denken, und um neue Lösungen in kürzester Zeit prototypisch zu entwickeln und zu validieren. Ziel eines Design Sprints ist es, ein Framework zu bieten um schnellstmöglich zu den besten Ergebnissen zu kommen. Es geht darum, Lösungen hervorzubringen, diese zu messen und aus den Erkenntnissen in der nächsten Runde (Iteration) gelerntes wieder einfließen zu lassen.

Dies kann ein Design Sprint bestens leisten:

  • Onboarding und Angleichung aller Teambeteiligten zu einem Produkt- oder Dienstleistungskonzept.
  • Die besten Ideen werden aus Kundensicht validiert
  • Zeit und kosten können massiv gespart werden


Innovationen entstehen, wenn die Lösung einen Reellen Nutzen für den Nutzer hat (Nutzerzentrierte Entwicklung), die Lösung technisch realisierbar ist (Entwicklungsstakeholder) und das ganze wirtschaftlich tragbar ist (Business-Stakeholder). Durch die starke Fokussierung auf den Nutzer wird an der richtigen Stelle nach Lösungen gesucht. Der strukturierte Teamprozess ermöglicht ein absolutes Effektives und effizientes Arbeiten im Team. Und durch das anschließende frühe Prototyping können schnell Potentiale aufgedeckt werden. Ansätze die wenig erfolgversprechend sind scheitern früh ohne das sie höhere Investitionen verschlingen und aus Fehlern lässt sich so schnell lernen, das man auftretende Fehler noch nicht mal als solche bezeichnen kann. Der Sinn von Design Sprints ist die Herausarbeitung tragfähiger Lösungen aus Kundensicht und dabei den Produktentsteheungsprozess hinsichtlich Zeit und Budget zu optimieren.

Wann macht ein Design Sprint sinn?
Vielleicht kann man mit einem Design Sprint nicht alles machen, jedoch liefert er zumindest immer frische Ideen und garantiert beste Lösungsansätze in kurzer Zeit. Sofern die grundsätzlichen Eignungskriterien eines Design Sprints erfüllt sind, kann es nur noch Gewinn geben. Selbst wenn der Prototyp am Ende des Sprints vollkommen durchfällt, verschafft dies Klarheit und kann sofort unnötige weitere Investitionen ersparen, die sich dann erst später als mögliche Fehlinvestitionen herausstellen würden.

Der Google Design Sprint lässt sich für folgende Fälle gut verwenden:

  • Vision: Entwickeln und testen Sie eine Vision
  • Produktneu- und weiterentwicklung: Testen Sie Ihre neue Ideen bevor es an die Umsetzung geht
  • Projektstart: Ihr Team kann sich kennenlernen, baut Vertrauen auf und kann eine gemeinsame Projektvision und gemeinsame Ziele entwickeln
  • Projektneuausrichtung: Ihr Projektteam wurde neu aufgesetzt oder das alte Team benötigt neue Energie und Motivation, dann nutzen Sie den Sprint dazu
  • Business Model Discovery: Testen Sie ein neues Geschäftsmodell
  • Marketing Campaign Discovery: Bevor Sie mehrere Tausend-Euro in eine Kampagne stecken, testen Sie diese
  • Winning the Pitch | Getting the Budget: Um einen neuen Kunden von Ihrer Arbeit zu überzeugen, nutzen Sie einen Design Sprint, sodass Sie einen Prototyp als Lösung eines wichtigen Problems Ihres zukünftigen Kunden vorzeigen können (auch für interne Budgetkämpfe geeignet).

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